Das athenische Haus
Das Durchschnittshaus im 5. Jahrhundert v. Chr. war niedrig, aus Lehmziegeln, ein- bis zweigeschossig und um einen kleinen offenen Hof gebaut. Die Wände galten als so schwach, dass Einbrecher sie aufstemmen konnten; das athenische Recht kannte dafür sogar den Deliktname „Mauerdurchbruch“. Ziegeldach, gestampfter Boden oder einfache Platten. Wohlhabende leisteten sich mehr Räume, farbigen Verputz und teils verzierte Böden. Arme lebten enger — in Vierteln wie Kollytos und Skambonidai.
Der Hof war das Herz. Offen zum Himmel, oft mit einem Altar des Herkeios Zeus als Schutz des Hauses. Darum lagen der Andron, das gepflegteste Zimmer für Gelage, die Gynaikonitis — meist tiefer im Haus oder oben —, die kleine Küche mit tragbaren Feuerpfannen und Vorratsräume mit Pithoi für Getreide, Wein und Öl. Am zentralen Feuer hatte Hestia ihren Platz: nicht als Dekoration, sondern als tägliche, sehr praktische Kultstelle.
Die drei Mahlzeiten des Tages
Akratismos (Frühstück)
Gersten-Maza, in verdünnten Wein getaucht. Manchmal dazu Oliven, Feigen oder Käse. Schlicht, schnell — und genug für den Start.
Ariston (Mittag)
Brot, Käse, Oliven, Pökelfisch, Gemüse roh oder gekocht. Häufig im Vorübergehen, ohne die Schwere des Abends.
Deipnon (Abend)
Das Hauptmahl: Suppe oder Schmorgericht, Fisch, selten Fleisch, Brot, Gemüse, Obst, Wein. Familienzeit.
Symposion
Nach dem Deipnon, falls Gäste da waren. Wein, Musik, Gespräch, Philosophie — streng männlich.
Was wirklich auf den Tisch kam
- Getreide: Gerste dominierte, Weizen war eher Wohlhabenden vorbehalten. Verarbeitet zu Maza (Gerstenfladen) oder Artos. Viel Weizen kam über den Schwarzmeerhandel.
- Oliven und Öl: Grundpfeiler. Ganze Oliven zum Essen, Öl zum Kochen, für Lampen und Körperpflege.
- Wein: Alltagsgetränk — auch für Kinder, stark verdünnt. Begehrt waren Chios, Lesbos und Thasos.
- Fisch und Meeresfrüchte: Sardelle, Sardine, Thun, Oktopus, Kalmar. Aus dem Saronischen Golf kam täglich Frisches.
- Gemüse und Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Ackerbohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Kohl, Fenchel.
- Käse: vor allem Ziegenkäse — frisch und gereift.
- Honig: einziges Süßungsmittel. Der Hymettos-Honig (den gibt es heute noch) war berühmt.
- Fleisch: im Alltag selten; häufiger bei Opfern und Festen. Meist Schaf, Ziege, Schwein; Rind nur zu großen Anlässen.
- Obst: Feigen, Trauben, Granatäpfel, Äpfel, Birnen. Getrocknetes Obst für den Winter.
Wein, Regeln, Gespräch: das Symposion
Das athenische Symposion
Das Symposion — wörtlich „zusammen trinken“ — war einer der wichtigsten sozialen Räume erwachsener Männer. Nach dem Deipnon lagen sie auf Klinen im Andron, oft bekränzt, während ein Sklave im großen Krater Wein und Wasser mischte und die Becher reihum füllte. Die Gespräche wanderten von Politik und Dichtung zu Klatsch. Hetairai, gebildete Gefährtinnen, waren dabei; Ehefrauen nicht. Platons und Xenophons „Symposion“ zeichnen das literarische Bild. Ungemischten Wein zu trinken galt als barbarisch — „Er trinkt wie ein Skythe“ war eine Beleidigung.
Kleidung
- Chiton: knöchellanges Leinen oder Wolle, mit Fibeln an den Schultern. Trugen Männer und Frauen.
- Himation: äußerer Mantel; wollig im Winter, leinern im Sommer.
- Petasos: breitkrempiger Reisehut als Sonnenschutz.
- Schuhe: Ledersandalen; zu Hause und im Viertel oft barfuß.
- Farben: naturbelassen im Alltag, Safran, Purpur oder Rot für Feste und Status.
- Schmuck: Gold und Silber für Frauen — Ohrringe, Ketten, Fibeln. Männer trugen Ringe, oft mit Siegelsteinen.
Auf einen Blick
~250.000–300.000
Bevölkerung von Athen und Attika auf dem Höhepunkt des 5. Jahrhunderts (inkl. Metöken und Sklaven).
~30.000–50.000
Erwachsene männliche Bürger — mit vollen politischen Rechten.
3:1
Ungefähr das Verhältnis Gerste:Weizen in armen Diäten. Wohlstand entschied über das Getreide.
Hestia
Göttin des Herdes und das zentrale Hausfeuer. Von hier begann die häusliche Kultpraxis.
Familie und Haushalt
- Kleinfamilie: Ehemann, Ehefrau, Kinder und in vielen Haushalten Sklaven. Mittlere Häuser ein bis drei; reiche deutlich mehr.
- Verwandtschaft: eng. Der Oikos war soziale, politische und wirtschaftliche Einheit.
- Patriarchat: der Ehemann (Kyrios) war rechtlicher Hausherr; Ehefrau, Kinder und Sklaven standen unter seiner Gewalt.
- Bereich der Frau: das Haus — Organisation, Weben, Kochen, Kinder. Respektable Frauen gingen selten ohne Begleitung aus.
- Ehe: arrangiert. Frauen heirateten mit 14–18, Männer um 30. Mitgift üblich. Scheidung möglich, für Frauen sozial heikel.
- Kinder: hohe Säuglingssterblichkeit. Überlebende sorgten im Alter und hielten den Ahnenkult.
Ein Durchschnittstag eines Atheniers
Ein Tag im 5. Jahrhundert
- Morgendämmerung (5:00–6:00 Uhr): Aufstehen, leichtes Frühstück, kurzes Gebet am Herd und Hofaltar.
- Vormittag (6:00–10:00 Uhr): Geschäfte auf der Agora — kaufen, verkaufen, Bankgeschäfte. Oder Feld, Handwerk, Handel. Öffentliche Pflichten: Gerichtsdienst, Volksversammlung.
- Mittag (10:00–13:00 Uhr): leichte Mahlzeit; im Sommer kurze Ruhe.
- Nachmittag (13:00–16:00 Uhr): weiter arbeiten oder, wer es sich leisten konnte, Gymnasion und Palästra (Sport und Kontakte).
- Später Nachmittag (16:00–18:00 Uhr): Bad im öffentlichen Balaneion, Gespräche auf der Agora, Erledigungen.
- Abend (18:00–21:00 Uhr): Familien-Deipnon; Symposion, falls Gäste da waren.
- Nacht (ab 21:00 Uhr): Schlaf. Nach Sonnenuntergang war es dunkel — die meisten blieben zu Hause.
Der Tag einer Athenerin
- Haus als Hauptort: Haushaltsführung, Weben, Aufsicht über Sklaven, Kinderbetreuung.
- Öffentlicher Auftritt begrenzt: religiöse Feste (eigene wie die Thesmophorien), Begräbnisse, familiäre Anlässe.
- Markt: die Ärmeren gingen selbst, Wohlhabende schickten Sklaven.
- Weben: fast jede Athenerin webte. Textilien waren die wichtigste häusliche Produktion.
- Religiöse Rolle: bedeutsam — Priesterinnen in verschiedenen Kulten, ausschließlich weibliche Feste.
- Bildung: wenig formale Schulung, teils elementares Schreiben. Hetairai waren oft gebildet.
Bad und Hygiene
- Öffentliche Balaneia: beliebte soziale Orte. Warmes und kaltes Wasser, Öl für die Haut, Strigiles (Schaber) zum Abziehen von Öl und Schweiß.
- Öl und Schaber: die typische Reinigung — Seife gab es noch nicht.
- Düfte und Salben: wohlriechende Öle waren verbreitet.
- Sportkultur: Training im Gymnasion hielt Männer in Form. Ringer ölten sich ein und puderten sich vor dem Kampf.
Möbel und Innenraum
- Schlicht, beweglich: Stühle (Klismos), Hocker, niedrige Tische, Betten, die auch als Esseliegen dienten.
- Truhen: für Kleidung und Wertsachen.
- Lampen: Ton- oder Bronzelampen mit Öl spendeten nach Sonnenuntergang warmes, goldenes Licht.
- Schlaf: einfache Strohlager auf Holzrahmen, dazu Kissen und Wolldecke.
- Dekor: farbiger Verputz; später bei Reichen Mosaiken. Keramik für den Alltag.
Sklaven und Dienstpersonal
- Viele Haushalte — vor allem mittlere und reiche — besaßen Sklaven. Reiche konnten Dutzende halten. In Attika werden insgesamt oft 80.000–100.000 angenommen.
- Arbeiten: Hausdienst, Kochen, Felder, Bergwerke, Handwerk, sogar Kinderunterricht. Die Silberminen von Laurion waren besonders hart.
- Behandlung: sehr unterschiedlich. Haussklaven waren im Alltag eingebunden; Minensklaven galten als verbrauchbar.
- Freilassung: möglich. Freigelassene wurden Metöken, nie Bürger.
Die Agora als täglicher Platz
- Zentrum des öffentlichen Lebens: viele Athener Männer kamen fast täglich vorbei.
- Marktstände: Bäcker, Fischer, Gemüsehändler, Metzger (besonders nach Opfern).
- Bank und Handel: Geldwechsler und Schreiber an ihren Tischen.
- Öffentlichkeit: Gerichtsdienst, Volksversammlung, Bekanntmachungen.
- Kontakte: Freunde treffen, Klatsch, philosophieren — Sokrates streifte hier herum.
Was in ihrem Alltag nicht vorkam
- Kaffee: kam erst byzantinisch–osmanisch nach Griechenland.
- Tomate, Kartoffel, Zitrus: spätere Einfuhren aus der Neuen Welt. In der klassischen Küche nicht vorhanden.
- Zucker: noch nicht da — Süße gab es nur mit Honig.
- Destillate: Erfindung späterer Zeiten. Nur Wein und etwas Bier.
- Gabeln: gegessen wurde mit Händen, Messern und Löffeln.
- Bücher wie heute: Literatur auf Papyrusrollen. Gelesen wurde laut.
Häufige Fragen
Aßen Athener oft Fleisch?
Im Alltag selten. Vor allem bei Opfern und Festen. Eiweiß kam eher aus Fisch, Käse und Hülsenfrüchten.
Wie schmutzig war Athen?
Nach heutigem Maß: sehr. Abwässer auf den Straßen, keine organisierte Müllabfuhr, Sommergerüche. Es gab öffentliche Latrinen, doch Hausabfälle landeten oft direkt draußen.
Tranken wirklich alle Wein?
Ja — auch Kinder, stark verdünnt. Wein mit Wasser war vielerorts sicherer als reines Wasser. Alltagsware.
Wie groß war ein durchschnittliches Haus?
50–100 m² für einen mittleren Haushalt. Reiche: 200–500 m². Ausgrabungen an der Antiken Agora zeigen die Grundrisse.
Wie viele Einwohner lebten in Athen?
Auf dem Höhepunkt des 5. Jahrhunderts: 250.000–300.000 in Stadt und Attika (inkl. Sklaven und Metöken). Erwachsene männliche Bürger: 30.000–50.000.
Hatten Athener „9 bis 17 Uhr“-Arbeitszeiten?
Nein. Arbeit folgte Licht, Jahreszeit und Bedarf. Besitzende verbrachten Zeit auf der Agora in Politik; Arme arbeiteten mehr.
Quellen:
— Kathy