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Drei verschiedene griechische Kapitelle nebeneinander im goldenen Abendlicht — Dorisch, Ionisch und Korinthisch
← Back to Blog ⚱️ Antikes Griechenland

Dorisch, Ionisch, Korinthisch: die drei Ordnungen

📅 27. März 2026 ⏱️ 5 Min. Lesezeit ❤️ Kathy
Nach drei Ausgrabungsstätten hintereinander verschwimmen die Tempel leicht. Also: Blick nach oben, aufs Kapitell. Dorisch ist schlicht, Ionisch zeigt Spiralen, Korinthisch trägt Akanthusblätter. Sobald das sitzt, liest du Parthenon, Erechtheion und Olympieion viel klarer — selbst im Nachmittagslicht, wenn die Details weich werden.

Drei Ordnungen, der Reihe nach

Die griechische Architektur arbeitet mit drei „Ordnungen“ — Regelwerken für Proportionen und Formen von Säulen, Kapitellen und Gebälk. Sie kamen nacheinander: Dorisch (~7. Jh. v. Chr., Festland und westliche Kolonien), Ionisch (~6. Jh. v. Chr., Ostgriechenland und Inseln), Korinthisch (spätes 5. Jh. v. Chr., später weit verbreitet). Die Römer ergänzten Toskanisch und Komposit; die drei griechischen Ordnungen blieben aber die Grundlage bis in Renaissance und Neoklassik.

Erkennen in Sekunden

Dorisch — Schale

Rundes, schlichtes Kapitell wie eine umgedrehte Schüssel. Keine Basis: Die Säule sitzt direkt auf dem Stylobat. Wuchtige, strenge Proportionen.

Ionisch — Spiralen

Am Kapitell liegen zwei Voluten, wie eingerollte Hörner. Mit Basis, insgesamt schlanker und höher.

Korinthisch — Blätter

Akanthusblätter fächern nach außen, oft in mehreren Ringen. Am reichsten verziert — in römischer Zeit besonders beliebt.

Karyatide (Variante)

Eine weibliche Figur übernimmt die Traglast. Berühmt: die Vorhalle des Erechtheions auf der Akropolis.

Die dorische Ordnung im Detail

  • Herkunft: Festland, ~7. Jh. v. Chr.; wahrscheinlich aus dem Holzbau weiterentwickelt.
  • Säule: 4–8 Durchmesser hoch (wuchtig), ohne Basis. Kannelierter Schaft (~20 Kanneluren).
  • Kapitell: quadratischer Abakus über rundem Echinus (sanft gewölbt). Schlicht.
  • Gebälk: Triglyphen (Platten mit drei Rillen) wechseln mit Metopen (quadratische Felder, oft mit Reliefs).
  • Beispiele: Parthenon; Thiseion (Hephaisteion) in der Agora — einer der besterhaltenen Tempel; Apollontempel in Delphi; Poseidontempel am Kap Sounion.

Die ionische Ordnung im Detail

  • Herkunft: Ostgriechenland und Inseln (Ionien), ~6. Jh. v. Chr.
  • Säule: ~9 Durchmesser hoch (schlanker). Mit Basis (oft attische Basis — Wulst/Hohlkehle/Wulst). 24 Kanneluren.
  • Kapitell: Doppelvoluten, oft als „Widderhörner“ beschrieben.
  • Gebälk: durchlaufender Fries (häufig mit Reliefs) statt Triglyphen/Metopen.
  • Beispiele: Erechtheion; Tempel der Athena Nike am Akropoliseingang; Artemistempel in Ephesos (eines der Sieben Weltwunder).

Die korinthische Ordnung im Detail

Die Geschichte vom Korb

Vitruv erzählt, der Bildhauer Kallimachos habe das korinthische Kapitell erdacht, als er an einem Grab einen Korb sah, umrankt von Akanthus. Poetisch — wohl ausgeschmückt. Klar ist: Korinthisch wirkt schlank, mit 2–3 Blattkränzen aus Akanthus und kleinen Eckvoluten. Die Römer setzten es gern für große öffentliche Bauten ein. In Athen zeigt das Olympieion, wie das wirkt: Säulen rund 17 Meter hoch, 15 von ursprünglich 104 stehen noch — östlich der Akropolis, im Wind fast wie ein Hain.

Karyatiden: Skulpturen statt Säulen

  • Karyatide: weibliche Skulptur als tragendes Bauteil statt Säule.
  • Erechtheion-Loggia (Akropolis, ~420 v. Chr.): sechs Karyatiden, das bekannteste Beispiel. 5 Originale im Akropolismuseum, 1 im British Museum; vor Ort Repliken.
  • Atlas: männliches Gegenstück (seltener).
  • Name: Bezug zu den Karyai in Lakonien. Antike und spätere Deutungen weichen — also vorsichtig mit „sicheren“ Erklärungen.

Auf einen Blick

3 Hauptordnungen

Dorisch, Ionisch, Korinthisch — das Grundvokabular der Antike.

Dorisch ~7. Jh. v. Chr.

Älteste Ordnung. Ursprung Festland.

Ionisch ~6. Jh. v. Chr.

Ostgriechenland und Ägäisinseln.

Korinthisch ~5. Jh. v. Chr.

Jüngste Ordnung. Akanthusblätter. In Rom sehr beliebt.

Ein Rundgang in Athen nach Ordnung

  1. Akropolis: Parthenon (Dorisch), Erechtheion (Ionisch + Karyatiden), Athena Nike (Ionisch), Propyläen (außen Dorisch, innen Ionisch).
  2. Agora: Thiseion / Hephaisteion (Dorisch, ~450 v. Chr.) — sehr gut erhalten.
  3. Olympieion (Tempel des Olympischen Zeus): 15 korinthische Säulen erhalten, 17 m hoch. Östlich der Akropolis. Mehr dazu unter Olympieion und Akropolis in Plaka.
  4. Römische Agora: Turm der Winde (achteckig — ein römischer Hybrid).
  5. Stoa des Attalos: rekonstruiert; gemischte Ordnung (Erdgeschoss außen Dorisch, innen und Obergeschoss Ionisch).
  6. Denkmal des Lysikrates (Plaka): kleines Choregendenkmal; frühestes erhaltenes außen angebrachtes korinthisches Kapitell (335 v. Chr.).

Weit über Griechenland hinaus

  • Römische Bauten: übernehmen häufig griechische Ordnungen, besonders Korinthisch und Komposit (römische Mischung).
  • Renaissance: Ordnungen werden neu studiert und bewusst eingesetzt.
  • Neoklassizismus (18.–19. Jh.): zitiert die Ordnungen programmatisch.
  • Universität Athen, Akademie, Nationalbibliothek (die „Athener Trilogie“ an der Panepistimiou): klarer Neoklassizismus mit griechischen Ordnungen.
  • US-Kapitol, Weißes Haus, Supreme Court, Lincoln Memorial: nutzen die Ordnungen für Dauer, Öffentlichkeit und politische Gravitas.

Einen Tempel lesen: der Grundriss

  • Krepidoma: gestufter Unterbau.
  • Stylobat: oberste Stufe — Auflager der Säulen.
  • Naos: innerer Raum mit dem Kultbild.
  • Pronaos: Vorhalle.
  • Opisthodom: hinterer Raum (oft Schatzkammer).
  • Peristyl: umlaufende Säulenreihe.
  • Giebel: dreieckige Stirnseiten (häufig mit Skulpturen).

Feine dorische Korrekturen

  • Entasis: Säulen schwellen zur Mitte leicht an — das korrigiert die optische Einschnürung.
  • Stylobat-Krümmung: die Basis des Parthenon wölbt sich zur Mitte minimal auf.
  • Nach innen geneigte Säulen: etwa 6 cm auf 11 m Höhe — das Auge liest das Gebäude so stabiler.
  • Dickere Ecksäulen: optische Korrektur, damit sie vor hellem Himmel nicht schlanker erscheinen.
  • Fazit vor Ort: Am Parthenon gibt es weniger echte Geraden, als man denkt. Das Gleichgewicht entsteht aus vielen kleinen, bewussten Anpassungen.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich es am schnellsten?

Schau aufs Kapitell: Schale = Dorisch. Spiralen = Ionisch. Blätter = Korinthisch.

Gibt es die „beste“ Ordnung?

Nein. Dorisch wirkt schwer und streng, Ionisch schlank und bewegt, Korinthisch dekorativ und theatral. Jede Ordnung hat ihre Logik.

Welcher Tempel in Athen ist am besten erhalten?

Das Thiseion (Hephaisteion) in der Antiken Agora — dorisch, ~450 v. Chr., mit intaktem Gebälk und Dachbalken. Eintritt über das Agora-Ticket.

Warum stehen Karyatiden am Erechtheion?

Wahrscheinlich ein Verweis auf alte attische Stämme oder priesterliche Rollen. Sie tragen die Südloggia anstelle von Säulen.

Wo sehe ich korinthische Säulen in Athen?

Im Olympieion (sehr groß), am Lysikrates-Denkmal (klein und früh) und an mehreren Bauten aus römischer Zeit.

Gab es feste Regeln, welche Ordnung wofür?

Grob ja: Dorisch oft für große Festlandtempel (Parthenon), Ionisch für Schatzhäuser und kleinere Tempel, Korinthisch später für Monumente und römisch geprägte Bauten.

Quellen:

— Kathy