📜 Warum weg von der ersten Reihe
Die weniger gehypten Inseln sind nicht leer und nicht automatisch billig. Im August werden auch sie voll. Nur eben in kleinerem Maßstab. Wege sind einfacher, Abende unaufgeregter, und der Tag dreht sich selten um Reservierungen, Beachbars und Fotospots.
Oft zahlst du weniger als auf Mykonos oder Santorin, vor allem für Zimmer und Essen. Das gilt nicht durchgehend für jeden Monat. Der Tausch ist klar: weniger Verbindungen, schlankere Infrastruktur, in Dörfern weniger Englisch – und etwas mehr Planung.
Startest du von der Ioulianou 50, ist Piräus am praktischsten: ein paar Minuten bis Viktoria und etwa 30 Minuten mit der Linie 1. Für manche Inseln brauchst du Rhodos, die Peloponnes oder einen Inlandsflug. Nicht jede Route ist eine Gerade.
🏝️ Die sechs Inseln
Folegandros
Kleine Kykladeninsel ohne Flughafen; die Chora klebt am Steilhang. Strände oft nur zu Fuß oder per Kaíki erreichbar.
Amorgos
Schroffe Insel; das Kloster Chozoviotissa hängt am Felsen. Wege verbinden Dörfer, Meer und Stein.
Symi
Kleines Dodekanes bei Rhodos, neoklassischer Hafen, steiles Oberdorf und Panormitis im Süden.
Karpathos
Langes Berg-Eiland zwischen Rhodos und Kreta. Viel Wind, wilde Buchten, im Norden das Dorf Olympos.
Kythira
Zwischen Peloponnes und Kreta. Venezianische Chora, Wasserfall in Mylopotamos; Strände sind mit Auto am bequemsten.
Ikaria
Nördliche Ägäis, bekannt für Langlebigkeit, Panigyria, Thermalquellen – und einen Takt ohne Eile.
🏛️ Folegandros: Eine Chora über dem Abgrund
Folegandros misst rund 32 km² und hat etwa 700 ständige Einwohner. Die Chora thront auf einer Kante von ungefähr 200 Metern – kleine Plätze, weiß gekalkte Durchgänge, so gut wie keine Autos im Kern.
Die Strände sind kein Selbstläufer. Agkali ist am einfachsten, Livadaki und Katergo brauchen Fußweg oder Kaíki. Das hält die Insel ruhiger als viele Kykladen – verlangt aber bessere Schuhe als Flip-Flops.
Kein Flughafen. Ab Piräus braucht die Fähre je nach Typ und Stopps etwa 3 bis 9 Stunden. Von Santorin gibt es oft die kürzere Verbindung. Juni und September fühlen sich entspannter an als der August.
🏛️ Amorgos: Fels, Meer und Chozoviotissa
Das Kloster Chozoviotissa
Gegründet 1088, gebaut an eine steile Wand, rund 300 Meter über dem Meer. Acht Ebenen, aber nur wenige Meter tief. Für den Besuch bitte bedeckt kleiden – am Eingang gibt es meist Tücher. Etwa 300 Stufen bergauf. Mittags ist geschlossen; Zeiten vorher prüfen.
Amorgos ist nichts für Husch-husch. Distanzen wirken kurz, die Straße steigt und fällt. Chora, Aigiali und Katapola sind unterschiedliche Basen. Die Wanderwege sind ein guter Grund für mehr als zwei Nächte.
Der Film The Big Blue von Luc Besson (1988) machte Amorgos bekannt. Zum Glück blieb die Insel mehr als nur Kulisse. Der Weg dorthin kostet noch immer ein wenig Mühe.
🏛️ Symi: Neoklassik am Hafen, nah bei Rhodos
Symi hat etwa 58 km² und rund 2.500 Einwohner. Gialos, der Hafen, ist ein sehr markantes Ensemble neoklassischer Häuser in der Ägäis – finanziert von alter Schwammtaucherei und Handel.
Über dem Hafen liegt das Dorf Chorio, verbunden über etwa 357 Stufen. Ruhiger, alltäglicher. Im Süden ist das Kloster Panormitis ein wichtiger Wallfahrtsort; Boote und Ausflüge starten auch von Rhodos.
Symi hat keinen Flughafen. Ab Rhodos per Schnellboot in ungefähr 1,5 Stunden, langsamere Fähren 2–3 Stunden. Als Tagesausflug machbar, aber zwei bis drei Nächte zeigen den Takt besser.
🏛️ Karpathos: Wind und Olympos
Karpathos ist groß für diese Liste: rund 302 km² und etwa 6.000 Bewohner. Langgestreckt, gebirgig, wilder, als man es bei einer Insel mit Flughafen erwartet.
Im Norden liegt Olympos – lange mit starken Bräuchen, Tracht und einem Dialekt mit alten Formen. Bitte nicht wie ein Museum behandeln. Es ist ein lebendiger Ort, Menschen wohnen und arbeiten hier.
Apella, Achata und Kyra Panagia gehören zu den bekanntesten Motiven der Insel. Im Norden bringt der Wind Kitesurfer. Anreise per Flug zum kleinen Airport oder per Fähre von Rhodos, Kreta und Athen. Ab Piräus kann die Überfahrt 14–19 Stunden dauern.
🏛️ Kythira: Zwischen zwei Karten
Kythira umfasst etwa 280 km² und rund 3.600 Einwohner. Es passt in keine einfache Insel-Schublade: Blick zur Peloponnes, nach Kreta und ins Ionische zugleich.
Bei Hesiods Mythos ist Aphrodite hier verortet. Heute siehst du eine venezianische Chora mit Kastell, neoklassische Häuser, Dörfer im Schongang – und Landschaften, die ohne Auto schwer zugänglich sind.
Mylopotamos hat ein Bachbett, alte Mühlen und einen Wasserfall. Kapsali, Diakofti und weitere Strände liegen an verschiedenen Küstenseiten. Es gibt einen kleinen Flughafen; Fährzeit ab Piräus etwa 6–7 Stunden, schneller geht es ab Neapoli Lakonias.
🏛️ Ikaria: Ein Takt ohne Eile
Ikaria misst ungefähr 255 km² und hat rund 8.500 Einwohner. International ist die Insel als Blue Zone bekannt – eine der Gegenden, in denen Menschen oft länger und besser leben.
Langlebigkeit ist kein Sightseeing-Programmpunkt. Sie hängt mit Essen, Gemeinschaft, Bewegung, Schlaf, Tempo und weniger Druck zusammen. Du spürst es praktisch: flexible Zeiten, Panigyria bis zum Morgen, und die Insel beschleunigt nicht, nur weil du es tust.
Thermes bietet seit der Antike bekannte Thermalquellen. Seychelles, Mesakti und andere Strände brauchen Aufmerksamkeit bei Wind und Straße. Anreise per kleinem Airport oder Fähre ab Piräus, häufig um die 7–9 Stunden.
📊 Auf einen Blick
227
So viele bewohnte griechische Inseln in etwa.
Mildere Kosten
Oft günstiger als die großen Namen – je nach Monat und Nachfrage.
5 Orte
So viele Blue Zones weltweit; Ikaria ist eine davon.
1088
Gründungsjahr des Klosters Chozoviotissa auf Amorgos.
🧭 Weitere Inseln, die einen Blick wert sind
Astypalea hat die Form eines Schmetterlings und eine Chora mit Burg. Patmos trägt die Last der Apokalypse und des Klosters des Heiligen Johannes. Anafi ist klein, östlich von Santorin, und möchte langsames Reisen. Donoussa, Iraklia, Schinoussa und Koufonisia gehören zu den Kleinen Kykladen, oft mit Naxos als Basis.
Auf den Sporaden wirken Skopelos und Alonissos mit Pinien und Meer anders als die Kykladen. Tilos im Dodekanes ist klein, ruhig und bekannt für sein Energieprojekt mit Erneuerbaren.
🚶 Praktische Details
Auf kleineren Inseln fahren Fähren nicht täglich. Zimmer erst buchen, wenn das Boot passt. Nimm Bargeld mit: wenige Geldautomaten, manche Tavernen und kleine Läden mögen Kartenzahlung weniger.
Unterkünfte sind begrenzt. Im August steigen die Preise, gute Optionen sind früh weg. Gleiches gilt für kleine Flotten an Mietwagen und Rollern.
Ein paar griechische Wörter helfen, vor allem in Dörfern und alten Kafeneía (klassische Kaffeehäuser). Für den schnellen Einstieg gibt es einen Guide mit nützlichen griechischen Sätzen für Reisende.
📅 Beste Reisezeit
Juni und September sind meist die ausgewogensten Monate für diese Inseln. Das Meer ist warm genug, die Verbindungen laufen, die Preise sind noch moderater.
Juli ist voller, aber gut machbar. Im August kommen die griechischen Urlauber, Zimmer sind knapp und teurer. Von Oktober bis Mai schließen viele touristische Läden. Das ist kein Nachteil – solange du weißt, was du suchst.
❓ Häufige Fragen
Welche der sechs Inseln sind am einfachsten für den Einstieg?
Folegandros, wenn du ohnehin in den Kykladen bist, und Symi mit Basis Rhodos. Beide verlangen wenig Umstellung.
Welche ist am aufwendigsten zu erreichen?
Karpathos und Ikaria – je nach Saison und Fahrplänen. Hier hilft genauerer Takt oder ein Flug.
Wie viele Tage solltest du einplanen?
Drei Nächte sind die Untergrenze. Fünf Nächte geben ein runderes Bild.
Sind sie familientauglich?
Kythira und Karpathos sind mit Auto bequemer. Folegandros hat Kanten und viel Gehen – mit kleinen Kindern aufmerksam bleiben.
Wird Englisch gesprochen?
In Unterkünften und an touristischen Punkten ja. In Dörfern und alten Kafeneía weniger. Ein wenig Griechisch macht spürbar etwas aus.
Geht Folegandros als Tagesausflug ab Santorin?
Manchmal theoretisch. Praktisch besser mit einer Übernachtung. In ein paar Stunden wirkt Folegandros wie durch ein Zugfenster gesehen.
Quellen:
— Kathy