Warum Naxos so viele Stammgäste hat
Naxos hat etwas, das manchen Kykladen fehlt: Alltag. In der Chora gibt es Hafen, Läden, Schulen, Ämter. Die Dörfer im Inneren sind keine Kulisse; dort wohnt man ganzjährig. Das prägt die Stimmung.
Verglichen mit Mykonos und Santorini bleiben die Preise meist bodenständiger, auch wenn Hochsommer kein Schnäppchen ist. Griechische Familien wissen das. Im Juli und August gehören die Strände den Kindern, Schirmen und Strandball-Schlägern — und den Tavernen, die einfach arbeiten, ohne Theater.
Die Portara und der unvollendete Tempel
Die Portara steht auf dem Inselchen Palatia, ein kurzer Spaziergang von der Chora. Das marmorne Tor eines archaischen Tempels — meist Apollon zugeschrieben, begonnen im 6. Jahrhundert v. Chr. zur Zeit des Lygdamis. Fertig wurde er nie.
Viele Bausteine landeten später als Material in anderen Gebäuden. Das Tor blieb — die Blöcke sind so gewaltig, dass man sie kaum bewegen konnte. Zum Sonnenuntergang wird es voll; der Blick nach Westen hat Wucht.
Chora und Kastro
Unten an der Uferpromenade: Cafés, Läden, Tavernen. Weiter oben beginnt das Kastro, die mittelalterliche Stadt, verbunden mit Marco Sanudo und dem Herzogtum der Ägäis nach dem Vierten Kreuzzug. Die lateinische Präsenz ließ einen katholischen Dom neben orthodoxen Kirchen zurück — und ein anderes Gewebe als in der üblichen Kykladen-Chora.
Die Gassen halten Schatten, bremsen den Wind und fühlen sich immer noch wie eine schützende Stadt an. Für Museen und Sammlungen: Öffnungszeiten am Tag deines Besuchs prüfen, Räume und Zeiten wechseln gelegentlich.
Die Strände der Westküste
Am einfachsten erkundest du Naxos im Westen. Vom Agios Georgios an der Chora über Agios Prokopios und Agia Anna bis Plaka und Aliko: Sand, flaches Wasser und genug Platz, damit es nicht gedrängt wirkt.
Agios Georgios
Der Stadtstrand. Flach, sandig, praktisch für Familien und ohne Auto erreichbar.
Agios Prokopios
Lange Sandbucht mit klarem Wasser. Organisierte Abschnitte, aber auch freie Zonen — meist beides.
Agia Anna
Schließt an Agios Prokopios an. Fisch-Tavernen, Zimmer, ruhigeres Tempo.
Plaka
Weite Sandfläche mit luftigerem Gefühl. Nach Süden stillere Ecken, Dünen und Wacholder.
Mikri Vigla
Verlässlicher Wind, Schulen für Wind- und Kitesurfen. Wenn es bläst, eher sportlich als ruhig.
Aliko
Wacholder, kleine Buchten und die Ruine eines nie fertigen Hotels — heute voller Graffiti.
Bergdörfer und der Zas
Naxos endet nicht am Strand. Apeiranthos hat marmorgepflasterte Gassen, Steinhäuser, kleine Museen. Filoti, eines der lebendigsten Dörfer im Inselinneren, ist ein guter Ausgangspunkt für den Zas.
Der Zas misst 1.001 Meter — der höchste Punkt der Kykladen. Die Zas-Höhle taucht in einem Mythos zur Kindheit des Zeus auf. Für die Wanderung: Schuhe, Wasser, Kopfbedeckung. Kein Spaziergang in Flip-Flops, auch wenn es auf der Karte nah wirkt.
In Chalki siehst du das Handels-Naxos des 19. Jahrhunderts: neoklassische Häuser, ruhige Innenhöfe und die Brennerei Vallindras von 1896. Weiter östlich bewahren Koronos und Skado die Erinnerung an die Schmirgelminen, die viele Dörfer vor dem Tourismus ernährten.
Marmor und Kouroi
Naxos-Marmor war in der Antike für seine feine Körnung und das Weiß geschätzt. Die Insel belieferte Werkstätten auf den Kykladen, in Delos und Athen. In alten Brüchen liegen noch unvollendete Statuen.
Der Kouros bei Apollonas ist riesig und blieb im Steinbruch liegen — wohl wegen eines Fehlers beim Behauen. In Melanes findest du zwei kleinere Kouroi, einfach in der Landschaft, dort aufgegeben.
Kitro, Graviera und die Kartoffel von Naxos
Das Kitro von Naxos entsteht vor allem aus den Blättern des Zitronatzitronenbaums. Der Likör kommt in Varianten, von leichter bis kräftiger und süßer. In Chalki kannst du die Destillation aus der Nähe sehen — wenn die Besucherbereiche an dem Tag offen sind.
Die Graviera Naxou ist g. U., ein fester Käse mit milder Süße. Das Arseniko ist kräftiger, gereift aus Ziegen‑Schafsmilch. Die Naxos-Kartoffel hat ihren eigenen Ruf in den Kykladen — die fruchtbare Inselmitte liefert seit Jahrzehnten große Mengen.
Unterwegs auf Naxos
Die Chora läufst du gut zu Fuß. KTEL-Busse verbinden Hafen und Chora mit den Hauptstränden und etlichen Dörfern. Im Sommer fahren mehr Linien; für entlegene Strecken den Fahrplan des gleichen Tages checken.
Für Apeiranthos, Filoti, Chalki, Apollonas und die alten Brüche spart ein Auto Zeit. Das Straßennetz ist besser, als man auf den Kykladen oft vermutet. Die Distanzen sind aber nicht klein — die Rückfahrt nach einem vollen Tag konzentriert angehen.
So kommst du ab Athen hin
Von der Ioulianou 50 sind es ein paar Minuten zu Fuß zur Station Viktoria. Von dort fährt die Linie 1 direkt zum Hafen von Piräus. Fährzeiten und Preise nach Naxos variieren nach Reederei, Saison und Schiffstyp — erst den Plan prüfen, dann die Abfahrtszeiten legen.
Der Flughafen von Naxos ist klein und nimmt nur begrenzte Flüge aus Athen auf. Per Fähre ist Naxos gut mit Paros, Mykonos, Santorini und Ios verbunden — praktisch für eine Route über mehrere Kykladeninseln.
Gute Zeiten für Naxos
Juni und September sind am bequemsten: warmes Meer, genügend Verbindungen und meist vernünftige Preise. Juli und August sind die Monate der griechischen Familienurlaube — die Strände füllen sich, in den Bergdörfern bleibt es spürbar kühler.
Mai und Oktober passen für Wandern, Dörfer und Essen. Das Meer hält im Oktober oft noch Temperatur; einige saisonale Betriebe schließen jedoch bereits.
Eine Woche auf Naxos
Mit sieben Tagen wird Naxos nicht langweilig. Ein Tag für Chora, Kastro und Portara. Zwei Tage für Agios Georgios, Agios Prokopios, Agia Anna und Plaka. Ein Tag für Filoti, Apeiranthos und Chalki. Noch einer für den Zas oder den Kouros bei Apollonas. Wenn Zeit bleibt: Aliko — oder ein Abstecher auf die Kleinen Kykladen als ruhiger Abschluss.
Quellen
— Kathy